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ECHO / JOURNAL · NOTIZ 06

Was die Beschriftung eines Speicherchips verrät

Die Oberseite eines Speicherchips trägt ein paar kurze Textzeilen. Richtig gelesen sagen sie, wer den Chip hergestellt hat, um welches Teil es sich handelt und ungefähr wann es gefertigt wurde. Für alle, die ausgelötete Chips sortieren, entscheiden diese Zeilen, in welche Kiste ein Chip kommt. Diese Notiz erklärt, was die Zeilen üblicherweise enthalten, warum sie schwerer zu lesen sind, als sie aussehen, und wie BoardVision die Aufgabe angeht.

ECHO ·

Ein kleiner schwarzer Speicherchip auf cremefarbenem Leinen neben einer feinen silbernen Pinzette
Ein paar kurze Zeilen auf schwarzem Epoxid entscheiden, wohin ein Chip als Nächstes geht.

Die Zeilen auf dem Chip

Die meisten Speicherchips tragen einen Herstellernamen oder ein Logo, eine Teilenummer, einen Datumscode und einen Los- oder Rückverfolgungscode. Manche ergänzen das Montageland. Die Teilenummer ist die Zeile mit den meisten Informationen: Je nach Hersteller kodiert sie Produktfamilie, Speicherdichte, Organisation des Speichers, Geschwindigkeitsklasse und Gehäusetyp.

Das genaue Schema unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller, und Hersteller überarbeiten ihre Schemata im Lauf der Zeit. Deshalb ist eine Teilenummer nur zusammen mit der Referenz nützlich, die sie erklärt. Der Datumscode besteht meist aus Jahr und Kalenderwoche, und der Loscode ordnet den Chip einer Produktionscharge zu.

Warum die Beschriftung schwer zu lesen ist

Die Zeichen sind per Laser in schwarzes Epoxid graviert, der Kontrast ist also von vornherein gering. Unter einer Lampe spiegelt die Oberfläche. Die Zeichen sind klein, und die Hitze beim Auslöten lässt sie weiter verblassen. Null und der Buchstabe O, Eins und der Buchstabe I, Acht und der Buchstabe B sehen in dieser Größe gleich aus.

Es gibt eine zweite Schwierigkeit. Ein Chip kann abgenutzt, abgeschliffen und neu beschriftet oder gefälscht sein, deshalb ist das Lesen Identifikation, keine Verifikation. Die Beschriftung sagt, was der Chip zu sein behauptet. Ob die Behauptung stimmt, ist eine andere Frage.

Vom Foto zum Referenztreffer

BoardVision beginnt mit einem Foto oder einem Live-Kamerabild. Sie prüfen die sichtbare Beschriftung, die App vergleicht sie mit Referenzdaten und zeigt den Treffer, und Sie beurteilen diesen Treffer, bevor Sie eine Sortiergruppe wählen. Das Originalbild und der passende Eintrag bleiben nebeneinander, damit Sie sehen, was verglichen wurde.

Die App ist in Entwicklung für iOS und Android. Den Ablauf testen wir heute mit einem internen macOS-Prototyp. Ein Treffer ist ein Hinweis zum Prüfen, kein Urteil, und die Oberfläche ist so gebaut, dass das so bleibt.

Was eine Beschriftung nicht sagen kann

Sie kann nicht sagen, ob der Chip funktioniert. Sie kann weder den Metallgehalt noch den Ertrag nennen. Identifikation, Funktionstest und Materialrückgewinnung sind drei verschiedene Fragen, die drei verschiedene Werkzeuge brauchen. Sie auseinanderzuhalten, gehört dazu, das Produkt ehrlich zu beschreiben.

Eine Beschriftung gut fotografieren

Verwenden Sie diffuses Licht statt einer einzelnen hellen Lampe und neigen Sie den Chip um ein paar Grad, bis die Spiegelung den Beschriftungsbereich verlässt. Füllen Sie den Bildausschnitt mit dem Chip. Halten Sie die Kamera ruhig und wischen Sie die Oberfläche vor der Aufnahme vorsichtig ab. Ein klares Bild ist die größte Verbesserung, die Sie erreichen können, bevor überhaupt Software ins Spiel kommt.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich den Hersteller eines Speicherchips?
Am Herstellernamen oder Logo in der Beschriftung. Die Teilenummer ordnet den Chip dann einer Produktfamilie zu; ihr Schema legt der Hersteller fest.

Verrät die Teilenummer die Kapazität?
Oft kodiert sie die Speicherdichte, aber jedes Schema ist anders, und manche Chips tragen nur einen kurzen Code. Ohne passende Referenz bleibt die Kapazität offen. Mehr dazu: Warum Speicherchips ihre Kapazität nicht zeigen.

Wann reicht die Beschriftung nicht aus?
Sie sagt nicht, ob der Chip funktioniert, nennt keinen Metallgehalt und kann bei abgeschliffenen oder neu beschrifteten Chips täuschen. Lesen ist Identifikation, keine Verifikation.

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